KLASSIK INTERPRETIEREN

Hinter dem Begriff der „Klassik Lounge“ verbirgt sich genau das, was er vermuten lässt. Die klassische Musik wird aus dem traditionellen Konzertsaal in den hippen und angesagten Club gebracht. Dieses Konzept soll unter anderem zeigen, dass klassische Musik auch in anderen Gebäuden funktionieren kann – oftmals frei nach dem Motto: „Kommen die (jungen) Leute nicht zur klassischen Musik, so kommt die klassische Musik zu den (jungen) Leuten“ oder „Man muss die jungen Leute dort abholen, wo sie sind“.

Auf den ersten Blick mag die Situation vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen. Man stelle sich ein durchaus gemischtes Publikum (einerseits junge Leute in Jeans und mit heraushängendem Hemd, andererseits aber genauso Menschen im Anzug, die nach einem anstrengenden Arbeitstag noch ein bisschen Klassik hören wollen) auf Bierkisten, Verstärkern, an der Bar sitzend oder mit einem Bier in der Hand vor. Zwischen Ziegelgemäuer, Stahl, Beton und Glas fügt sich das warme Holz der Streichinstrumente, oftmals ist ein Flügel zwischen PA-Anlagen und Verstärkern der DJs, deren Arbeitsumfeld diese Bühne normalerweise darstellt, zu finden. Anstatt oftmals drückender Stille im Konzertsaal darf in der Klassik Lounge Gemurmel herrschen, Zugaben dürfen pfeifend, schreiend und wild klatschend eingefordert werden.

Die Klassik Lounge ist besonders im deutschen Raum auch unter dem Begriff „Yellow Lounge“ bekannt. Diese ist eine Idee und Erfindung der Deutschen Grammophon/Universal Classics. Die erste Yellow Lounge fand am 1. Februar 2001 in Hamburg in der Bar "Die Welt ist schön" statt. Inzwischen werden regelmäßig Yellow Lounges in Berlin und seit 2004 auch in Frankfurt und Dresden veranstaltet. Yellow deshalb, weil es in Anspielung auf das gelbe Logo des Traditionslabels Deutsche Grammophon, das zu Universal gehört, so genannt wird. 2011 fand erstmals auch im Gusswerk in Salzburg eine Yellow Lounge statt – sozusagen als „Ableger“ des Berliner Vorbildes. Sogar das gelbe Logo ist mit jenem des deutschen Pendants ident. Aufgrund des großen Erfolges wurde sie 2012 weitergeführt. In Wien wurde das ganze dezidiert als „Klassik Lounge“ im ost klub umgesetzt, mutierte mittlerweile aber schon zur „Jazz Lounge“. Auch in Tirol hat das Konzept der Yellow Lounge in Form einer Klassik Lounge Anklang gefunden. Musikerinnen und Musiker des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck spielen Kammermusik in entspannter und lockerer Atmosphäre in der „Bäckerei“, der Kulturbackstube. Mittlerweile gibt es Yellow Lounges schon auf der ganzen Welt, unter anderem in Stockholm, Kopenhagen, Seoul, u.v.m.

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten, eine Klassik Lounge zu veranstalten. Häufig werden auch beide Möglichkeiten miteinander verbunden. Einerseits befassen sich DJs mit klassischer Musik und legen bei der Klassik Lounge Mozart, Bach, Beethoven, Grieg, Vivaldi oder andere Komponisten auf. Die Übergänge zwischen den Stücken sind meist fließend. Es kann durchaus auch vorkommen, dass sich klassische Musiker als DJs versuchen und bei der Klassik Lounge auflegen. Andererseits wird bei der Klassik Lounge auch klassische Musik live in einen Club gebracht. So ist es durchaus schon vorgekommen, dass Größen wie Hillary Hahn, Mischa Maisky, Hélène Grimaud oder Daniel Hope in einer Klassik oder Yellow Lounge musizierten. Also ein typisches klassisches Konzert in einer ungewohnten Clubatmosphäre. Manchmal kommt es auch vor, dass sich klassische MusikerInnen im Bereich der modernen Clubmusik bewegen und dabei klassische Musik in Richtung Pop oder Lounge transformieren.

Yellow Lounge / Salzburg

Yellow Lounge / Salzburg

Yellow Lounge Salzburg

Yellow Lounge Salzburg